Ellen Gronemeyer

*1979 in Fulda, Deutschland

Ellen Gronemeyer, Tipsy Cat 2, 2008/09, Öl auf Leinwand, 40,5 x 30,5 x 2 cm, Ludwig Forum für Internationale Kunst Aachen, Leihgabe der Peter und Irene Ludwig Stiftung © the artist and Kimmerich Galerie / Foto: Simon Vogel

Die kleinformatige Malerei mit dem assoziativen Titel Tipsy Cat 2 von Ellen Gronemeyer zeigt eine Person, bei der es sich vermutlich um eine junge Frau mit Schnurrhaaren handelt, die sich in einem Innenraum befindet. Die Künstlerin bedient sich bei dieser Darstellung der klassischen Gattung des Dreiviertel Portraits, wobei das obere Stück des Kopfes abgeschnitten ist und die Hälfte ihres Körpers hinter einem Tisch ähnlichen Einrichtungsgegenstand verschwindet. Im Hintergrund herrscht eine in Rechtecke gegliederte Wandordnung vor. Die Farbigkeit wird von einem Schwarz-Weiß Kontrast dominiert, der von Gronemeyer jedoch durch Grauabstufungen eine weitere Ausdifferenzierung erfährt. Im Sinne ihres Stiles bedient sie sich der pastosen, stark materialbezogenen Malweise, die ebenso wie der Schwarz-Weiß Kontrast zwischen grob und fein gespachtelten Abschnitten variiert. Diese Gegensätzlichkeit zieht sich weiter wie ein roter Faden durch die Malerei. Während im Hintergrund eine scharfkantige Konturierung den Tonus vorgibt, nehmen kreisartige, runde Formen, die in späteren Werken der Künstlerin weitaus populärer werden und feine Linien bereits in diesem Werk an Bedeutung für die weibliche Figur im Mittelpunkt zu. Die Kleidung der Figur und die dunklen, langen Haare harmonieren mit dem gleichfarbigen Hintergrund und werden nur durch helle, feine Konturen davon abgehoben. Die sonst vorherrschende dunkle Farbigkeit steht in starker Opposition zu den hellrosa Lippen und der gleichfarbigen Schattierungen der Augen auf dem ansonsten weißen Gesicht. Auch die hellgraue Schleife am Revers und der Finger, der auf etwas zeigt oder gedankenverloren über die Platte streicht, an der die Figur lehnt, lässt diese verträumt und abwesend wirken.

Die düstere Stimmung von Kleidung und Raum im Zusammenspiel mit der lakonisch in die Ferne blickenden Katzenfrau stellt eine groteske Szenerie dar. Im Vergleich zu zeitgleich entstandenen Werken Gronemeyers weist dieses Werk eine untypisch klare Darstellung auf, die durch dezente, aber doch offensichtliche Kontrarietät geprägt ist.

JL