Bertram Jesdinsky

*1960 in Bonn, Deutschland

† 1992 in Wuppertal, Deutschland

Bertram Jesdinsky, Serie Baukasten, 1989, Epoxydharz, Pappe, Eisen, 240 x 200 x 200 cm, Ludwig Forum für Internationale Kunst Aachen, Leihgabe der Peter und Irene Ludwig Stiftung © VG Bild-Kunst, Bonn 2021

Bertram Jesdinsky, Der große Fischfang, 1989, Holz, Eisen, Aluminium, Kunststoff, 175 x 110 x 250 cm, Ludwig Forum für Internationale Kunst Aachen, Leihgabe der Peter und Irene Ludwig Stiftung © VG Bild-Kunst, Bonn 2021

Betram Jesdinskys (1960-1992) Stil entwickelte sich über die Graffitikunst und den Zusammenschluss einer Gruppe Studierender (Anarchistische Gummizelle (AGZ)), die sich kritische ironisch mit politischen Themen der 1980er Jahre und bekannten Kunststilen auseinandersetzte. Jesdinskys besonders große Formate zeigen ein scheinbares Chaos aus Figuren, welches sich in komplexen Geflechten zusammenfindet und wiederkehrende Tiere als Motive abbildet. Es entsteht eine fantastische Welt, die (Seh-) Gewohnheiten in Frage stellt.

Zum Anlass der Wiedervereinigung der BRD und DDR bildete Jesdinsky die Plastik Der große Fischfang von 1989: einen Bären aus Holz, Eisen, Aluminium und Kunststoff. Nur ein einziger Fisch liegt in der rechten Pranke, welche er zu seiner Schnauze führt. Die Augen sind klein und nach vorne gerichtet. Der Körper des Bären ist aus verschieden pastellfarbenen Platten zusammengesetzt. Fünf D-Mark Münzen, die unter die oberste Gummischicht gelegt wurden, ergeben die Erhebungen, welche an die von kleinen Bausteinen erinnern und den Bundesadler erkennen lassen.

Die Variationsbreite des Materials und die genauere Anatomie des Tieres verweist auf die Entwicklung Jesdinskys hin, in der dieser sich einer natürlichen Darstellung der Tiere hinwandte. Fokussiert wird das Verhältnis zwischen Mensch und Tier, wobei der Einfluss des Menschen auf die Tierwelt und die Natur erkennbar wird: Beinahe spöttisch beschreibt der Titel den Fang des Bären, der mit nur einem Fisch eher klein ausfällt und im Vergleich zu dem großen Körper des Bären kaum zur Sättigung ausreichen wird.

Bezüglich gesellschaftspolitischer Strukturen ließe sich der Bär als das bekannte Wahrzeichen Berlins einordnen. Er ist mit einem Fell aus deutschen Münzen, die den Bundesadler zeigen, überzogen. Der gefangene Fisch verkörpere die DDR. Diese Zuordnung zeigt die Zusammenführung der BRD und der DDR über das wiedervereinigte Berlin, während sich kritisch mit dem unterschiedlichen Verhältnis der beiden Länder auseinandergesetzt wird. Ebenso kann der Bär als Nationalsymbol Russlands gesehen werden, der die DDR einfing, bevor sie sich wieder mit der BRD zusammenschloss.

Das Werk Serie Baukasten von 1989 verkörpert nach eigenen Aussagen des Künstlers sein Gesamtwerk und die laufende Veränderung seines Vorgehens, seiner Arbeit und seines Oeuvres. Die Skulpturen zeigen Tiere, die wiederholt in Jesdinskys Werken auftauchen: Vogel, Widder und Hund. Die einzelnen Objekte können immer wieder neu angeordnet werden und sind nicht fest zueinander angeordnet. So lässt sich nicht nur die Möglichkeit der variierbaren Anordnung der Figuren auf den Titel beziehen, sondern auch jede einzelne Figur. Die bunten Farben und die Zusammensetzung aus verschiedenen Grundformen lassen die Figuren erscheinen, als seien sie aus einem Baukasten. Das monumentale Format ist nicht nur sehr raumgreifend, sondern macht die Betrachtenden selbst ebenfalls zu Figuren und bezieht diese als einen Teil des Werkes und des Baukastens ein. Die besonders intensiven Farben erinnern an Jesdinskys Malerei, welche durch die Farbigkeit, die die Motive trägt, ausgezeichnet wird, während sie die Verbindung zu einem Baukasten für Kinder unterstützt.

KH