Antanas Gudaitis

*1904 in Sjauljaj, Litauen

† 1989

Antanas Gudaitis‘ (1904-1989) Werk Der verlorene Sohn von 1971/72 zeigt ein in der Kunstgeschichte wiederkehrendes Motiv: Die biblische Geschichte des verlorenen Sohnes ist im Lukasevangelium (15,11-12) zu finden und dient Jesus als eines von insgesamt drei Gleichnissen, die die Freude an dem Wiederfinden des Verlorengeglaubten beschreiben sollen.

In diesem Gleichnis verlässt der jüngste Sohn seine Familie mit dem ausgezahlten Teil seines Erbes. Nachdem er das gesamte Geld verschwendete und daraufhin als Schweinehirte fast verhungerte, beschloss er zu seiner Familie zurückzukehren, um diese um eine Wiederaufnahme zu bitten. Sein Vater freut sich über die Rückkehr des verloren geglaubten Sohnes, während der ältere Bruder nicht verstehen kann, warum der Vater dem Jüngeren vergibt.

Gudaitis bildete den Teil des Gleichnisses ab, in dem der Sohn noch vor der Rückkehr zu seiner Familie als Schweinehirte tätig war. Die Figur des Sohnes sitzt in der rechten Bildhälfte, ein schmaler Stab lehnt locker gegen den dürren Körper. Sein Blick richtet sich zu zwei Schweinen, die sich zu seinen Füßen auf der linken Bildseite befinden. Im linken Hintergrund steht eine in ein langes Gewand gekleidete Figur, deren Blick in die Bildmitte führt, in der sich keine weiteren figürlichen oder gegenständlichen Objekte erkennen lassen.

Der grobe Pinselstrich wirkt besonders im Vordergrund durch die Verwendung von viel weißer Farbe kreidig und trennt die beiden abgebildeten Figuren voneinander ab. Die Figur im Hintergrund trägt dunkle Kleidung, während die des Sohnes keine Kleidung trägt und seine gräulich-rosa Haut an seine Armut, die in dem Gleichnis von tragender Bedeutung ist, anknüpft.

KH